Wissenstransfer: Was geht, wenn jemand geht

Last updated on March 16th, 2026 at 08:02 am

Stellen Sie sich vor, Ihre beste Sachbearbeiterin geht in Rente. 22 Jahre Erfahrung, hunderte von Ausnahmesituationen gemeistert, ein internes Netzwerk, das funktioniert wie ein gut geölt Getriebe. Was bleibt davon im Unternehmen? Ein Übergabegespräch, vielleicht ein selbst geschriebenes Word-Dokument. Und dann: Stille.

Das ist kein Einzelfall. Es ist der Normalfall im deutschen Mittelstand – und in der öffentlichen Verwaltung erst recht.

Das implizite Wissen ist das wertvolle. Und es ist das, das verschwindet.

Dokumentiert wird, was vorgeschrieben ist: Prozesse, Handbücher, Stellenbeschreibungen. Was nicht dokumentiert wird, ist das Wissen, das wirklich trägt – Erfahrungswissen, das sich in Situationseinschätzung, Fingerspitzengefühl und pragmatischen Abkürzungen zeigt. Dieses Wissen steckt in Menschen, nicht in Systemen. Und wenn der Mensch geht, geht es mit.

Employee Generated Content – kurz EGC – ist der Ansatz, genau dieses Wissen zu heben. Der Grundgedanke: Mitarbeitende erstellen selbst Lerninhalte aus ihrer eigenen Praxis. Kein L&D-Team, das nachfragt und zusammenfasst. Sondern direkte Weitergabe von Erfahrung – von Mensch zu Mensch, über ein Format.

Das Problem mit klassischem Wissenstransfer

Abschlussinterviews, Übergabedokumente, Shadowing vor dem letzten Arbeitstag – das sind die üblichen Instrumente. Wir kennen sie aus der Beratungspraxis. Und wir wissen, was mit ihnen passiert.

Das Interview wird vergessen. Zwei Wochen vor Renteneintritt hat niemand mehr wirklich Interesse, sein Wissen strukturiert weiterzugeben. Das Shadowing scheitert daran, dass der Nachfolger noch nicht da ist oder nicht die richtigen Fragen stellt. Und das Dokument landet irgendwo auf der Festplatte, wo es niemand findet.

Was wirklich funktioniert: systematisch und über einen längeren Zeitraum das Wissen sichern, bevor der Druck entsteht. Nicht als Abschiedsveranstaltung, sondern als Prozess.

Wie KI-gestütztes EGC das Problem löst

Das Hindernis für EGC war lange der Aufwand das Wissen zu dokumentieren. Nicht jeder Mensch kann gut schreiben. Nicht jeder Mensch will schreiben. Und die wenigsten wissen, wie man Erfahrungswissen didaktisch aufbereitet.

Genau hier ändert KI die Spielregeln. Mitarbeitende sprechen ihr Wissen ein – eine Sprachaufnahme, ein Screencast, ein Stichwort-Brainstorming. KI transkribiert, strukturiert und formt daraus lesbares, verständliches Wissen. Das L&D-Team kuratiert, prüft und bindet das Ergebnis in bestehende Lernpfade ein.

Der Aufwand für die wissensgebende Person sinkt drastisch. Fünf Minuten Sprache, zehn Minuten Gegenlesen – das ist realistisch machbar, auch für jemanden, der in vier Wochen das Unternehmen verlässt. Aus unserer Beratungspraxis heraus sehen wir: Der größte Engpass ist nicht die Technik. Er ist der fehlende Prozess und die fehlende Verbindlichkeit.

Konkret sieht ein solcher Prozess so aus:

Das ist kein Riesenprojekt. Das ist ein Prozess, den eine PE-Abteilung alleine aufsetzen kann.

Fazit: Wissenstransfer ist Chefsache – oder er findet nicht statt

EGC mit KI-Unterstützung ist kein L&D-Trend. Es ist ein strategisches Instrument zur Risikominimierung. Wer heute nicht beginnt, implizites Wissen zu sichern, zahlt morgen den Preis – in Einarbeitungszeit, in Fehlern, in verlorenem institutionellem Gedächtnis.

Der erste Schritt muss nicht groß sein. Ein Pilotprojekt mit einem Team, einem Abgangsfall, einem Thema – das reicht, um zu verstehen, was funktioniert und was nicht.

Sie möchten wissen, wie ein solcher Prozess in Ihrem Unternehmen aussehen könnte? Nehmen Sie gerne dazu Kontakt zu uns auf. 

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