Employer Generated Content als Lernformat

EGC als Lernformat: Wenn Mitarbeitende lehren

Irgendwo in Ihrem Unternehmen sitzt jemand, der weiß, wie man einen schwierigen Kunden in drei Sätzen beruhigt. Oder wie man ein Formular für einen Förderantrag ausfüllt, das eigentlich niemand versteht. Oder wie man ein neues Teammitglied in zwei Wochen wirklich einarbeitet – nicht nur auf dem Papier.

Dieses Wissen ist wertvoll. Es ist erprobt, kontextnah und direkt anwendbar. Das Problem: Es steht nirgendwo. Es wird weitergegeben, wenn jemand fragt. Und wenn niemand fragt – oder der Wissensträger nicht mehr da ist –, dann ist es weg.

Lerninhalte müssen nicht immer von Experten kommen. Oft sind die besten Lehrenden die, die den Job kennen.

Employee Generated Content bedeutet: Mitarbeitende erstellen selbst Lerninhalte aus ihrer eigenen Praxis. Kein didaktisch aufbereitetes Standardmodul, das irgendwo in einer Wissensdatenbank verstaubt. Sondern echte Erfahrung, direkt weitergegeben. KI macht das heute für jeden möglich – unabhängig von Schreibkompetenz oder didaktischem Vorwissen.

Was EGC von klassischem L&D unterscheidet

Traditionelle Personalentwicklung funktioniert nach einem klaren Muster: L&D identifiziert Bedarf, Experten liefern Inhalt, Didaktiker bereiten auf, Mitarbeitende konsumieren. Das dauert. Und bis der Kurs fertig ist, hat sich die Realität oft schon weiterentwickelt.

EGC dreht das Modell um. Die Person, die den Job macht, erstellt den Lerninhalt. Nicht als aufwendiges Projekt, sondern im laufenden Betrieb. Ein kurzes Erklär-Video, wie man eine bestimmte Situation meistert. Eine Sprachaufnahme mit den fünf häufigsten Fehlern im Onboarding. Eine Lernkarte mit dem internen Abkürzungsverzeichnis, das jeder braucht, aber keiner aufschreibt.

Was dabei entsteht, ist authentisch, praxisnah – und glaubwürdig. Tipps von Kollegen helfen mehr als theoretische Schulungsfolien. Das wissen wir aus 25 Jahren Beratungspraxis. 

Wo KI den Unterschied macht

Bis vor kurzem scheiterte EGC im Lernkontext regelmäßig an der Umsetzung. Nicht am Willen – sondern an der Fähigkeit. Nicht jeder kann schreiben. Nicht jeder weiß, wie man Wissen strukturiert. Und die wenigsten Fachleute haben Zeit, sich nebenbei als Content Creator zu verstehen.

KI löst genau diesen Engpass. Mitarbeitende sprechen ihr Wissen ein – drei Minuten, unstrukturiert, einfach loslegen. KI transkribiert, bringt Struktur rein, formuliert verständlich. Das L&D-Team prüft, ergänzt und integriert das Ergebnis in bestehende Lernpfade.

Der Aufwand für die wissensgebende Person ist minimal. Das Ergebnis ist ein Lerninhalt, der aus echter Erfahrung stammt – nicht aus einer Workshop-Zusammenfassung. Aus unserer Erfahrung in Einführungsprojekten zeigt sich dabei eines immer wieder: Die Motivation, Wissen zu teilen, ist vorhanden. Was gefehlt hat, war das Format.

Wie ein EGC-Prozess in der Praxis aussieht

EGC braucht keine große Infrastruktur. Was es braucht, ist ein klarer Prozess – und die organisatorische Einladung dazu. Ein funktionierendes Grundmodell sieht so aus:

Thema eingrenzen: L&D definiert, zu welchen Bereichen EGC sinnvoll ist – nicht alles auf einmal

Wissen abgreifen: Kurzinterview, strukturierte Sprachaufnahme oder Screencast – 5 bis 15 Minuten reichen

KI-Aufbereitung: Transkription, Strukturierung, Formulierung – danach gegenlesen, nicht neu schreiben

Qualitätsprüfung: Fachbereich und L&D freigeben gemeinsam – einer für Inhalt, einer für Didaktik

Einbindung: Lernkarte, Micro-Learning oder FAQ-Format direkt in bestehenden Lernpfad integrieren

Was dabei entsteht, ist kein Ersatz für formale Schulung. Aber ein wertvolles Ergänzungssystem – besonders dort, wo Praxiswissen schneller veraltet, als ein Kurs aktualisiert werden kann.

Lernkultur ist die eigentliche Voraussetzung

EGC funktioniert nur, wenn Mitarbeitende sich trauen, ihr Wissen zu teilen – und wenn das Teilen als Beitrag gilt, nicht als Mehraufwand. Das ist keine Tool-Frage. Das ist eine Kulturfrage.

Unternehmen, die EGC erfolgreich einführen, tun zwei Dinge konsequent: Sie machen Wissensweitergabe sichtbar – durch Anerkennung und interne Sichtbarkeit. Und sie stellen sicher, dass das Erstellen von Inhalten tatsächlich in die Arbeitszeit fällt.

Fazit: EGC ist kein Trend – es ist ein struktureller Hebel

Mitarbeitende als Lehrende zu verstehen verändert, wie Wissen im Unternehmen zirkuliert. KI macht es heute praktisch umsetzbar – auch ohne dediziertes Content-Team, auch im Mittelstand, auch in der Verwaltung.

Der entscheidende erste Schritt ist nicht die Plattformauswahl. Es ist die Frage: Welches Wissen wollen wir sichern – und wer trägt es gerade noch?

Sie wollen EGC in Ihrer Organisation aufsetzen, wissen aber nicht, wo anfangen? Sprechen Sie uns an – wir bringen Struktur in den Prozess.

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